Gründung der Krieger und Soldatenkameradschaft Vilsbiburg

Die Gründung des Veteranen- und Kriegervereins Vilsbiburg, so sein Name in den Anfängen, viel in die Zeit, in der Bayern für eine längere Periode von Kriegen verschont geblieben war.
Die ersten in Altbayern gegründeten Vereinigungen, in denen sich ehemalige Feldzugssoldaten zusammengeschlossen, wurden schon bald nach den sogenannten Befreiungskriegen ins Leben gerufen. Die von Frontenhausen (1819) und Dingolfing (1820) zählen dabei zu den ältesten in unserer näheren Umgebung. Im Vordergrund stand jeweils ein gestifteter Jahrtag mit Gottesdienst und einer weltlichen Feier, bei der vor allem der Erinnerungsaustausch gepflegt wurde.
Leider sind die älteren Vereinsunterlagen vor 1885, wie Gründungsnachweis, Protokollbücher oder Mitgliederlisten verschollen. Doch kann als Gründungsjahr mit Sicherheit 1834 angenommen werden. So wurden die jeweiligen Stiftungsfeste zum 50-, 60-, 70- und 75jährigen Bestehen des Vereins auf das Jahr 1834 bezogen begangen. Das 100jährige Gründungsfest feierte man 1935. Frühe Nachweise über den jährlich zu Pfingsten stattfindenden "Jahrtag" oder das Stiftungsfest finden sich in den pfarramtlichen Archivalien. In den Aufzeichnungen über die "Gotteshaus-Einnahmen" ist unser Verein ab 1841 mit dem Eintrag "Soldaten-Jahrtag" bzw. 1842 und ff. mit "Militär-Verein-Jahrtag" angeführt.

Als die älteste Vereinsarchivalie liegt das "Grundbuch des Veteranen- und Kriegervereins Vilsbiburg" vor, das 1884, wohl aus Anlass des 50jährigen Bestehens, der Bezirksamtsoberschreiber Franz Xaver Hemmerle neu angelegt hat. Dieses umfangreiche, als Mitgliederverzeichnis geführte Buch, fand bis zum Jahr 1940 Verwendung. Mit über 750 verzeichneten Namen gibt es Auskunft über die Militärdienstzeit der Mitglieder, liefert aber auch Hinweise über mitgemachte Feldzüge. So heißt es an einer Stelle "machte den Feldzug 1849 gegen Dänemark mit" oder an anderer Stelle "1850 gegen Hessen". Eine bedeutende Zahl von Veteranen wird noch genannt als Teilnehmer des Krieges Österreich(Bayern kämpfte auf dessen Seite) gegen Preußen im Jahr 1866, dann des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und des Ersten Weltkrieges 1914/18. Weiter hat sich noch ein Protokollbuch erhalten, dessen Eintragungen im Kriegsjahr 1917 beginnen und 1932 enden.

Denkwürdige Ereignisse im Laufe der Vereinsgeschichte - soweit sie trotz schwieriger Quellenlage noch in Erfahrung gebracht werden konnten - sollen nachstehend in chronologischer Reihenfolge skizziert werden.

1872 wurde eine große niederbayerische Veteranenwallfahrt nach Altötting durchgeführt, an der unter der Organisationsleitung des 1. Vorsitzenden Michael Seeanner, Vilsbiburg, die Veteranenvereine des hiesigen Bezirks teilnahmen. Eine Votivtafel in der Stiftskirche von Altötting verzeichnet namentlich die Teilnehmer.

Die 25jährige Wiederkehr der Enthüllung des Kriegerdenkmals an der Frauensattlingerstraße beging man 1878 mit einer größeren Feier. Für die musikalische Umrahmung konnte damals die Kapelle des 4.Jägerbattaillions gewonnen werden. Prediger bei der Feldmesse war Beneviziar Alois Vest; die Gedenkrede hielt der 1. Vorsitzende Alois Nägele.

Drei Tage dauerten zu Pfingsten 1884 die Feierlichkeiten anlässlich des 50jährigen Bestehens des Veteranen- und Kriegervereins, die mit Feldgottesdienst, Predigt, Festzug und Kellerfest begangen wurden. Groß war die Beteiligung der örtlichen und auswärtigen Vereine. Am Pfingstsonntagabend bot die Kapelle des 4.Jägerbatallions aus Landshut den traditionsreichen Zapfenstreich, dem eine Festkneipe im festlich dekorierten Kastl`schen Kellersaal folgte. Das Jubiläum klang am Pfingstsonntag aus mit einem Frühschoppen im Gasthaus zur Post(Urban) und einem nachmittäglichen Ausflug zum gräflich von Montgelas`schen Sommerkeller in Egglkofen, wo man, wie der Vilsbiburger Anzeiger berichtet, "bei gutem Stoffe" die restlichen Stunden bis zum Abendzug verbrachte.

Am 10. Juni 1889 erfolgte in feierlicher Form die Weihe einer neuen Vereinsfahne.

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