Der Verein im Ersten Weltkrieg 1914/18

Doch schon stand die Zeit im Schatten übermächtiger Ereignisse. Zwar reiste König Ludwig III. noch im Sommer 1914 jubelnd begrüßt durch das ernteschwere Bauernland an der Isar, Rott und Vils(in Vilsbiburg machte er am 18. Juni Station), da fielen am 28 Juni 1914 die verhängnisvollen Schüsse von Sarajevo. Der Weltkrieg war da und viele Söhne unseres Landes folgten dem Mobilmachungsbefehl. Man dachte immer noch in den Maßstäben des Krieges von 1870/71. Dabei hatte jetzt (1914) das Land Bayern auf der Höhe seiner Kraftentfaltung volle 25 Divisionen mit rund 900000 Mann unter Waffen! Und nicht nur, dass den annähernd 4000 Toten von 1870 jetzt fast 200000 gegenüberstanden, man spürte selbst in einem Bauernland wie Bayern die Auswirkungen der englischen Hungerblockade.

Der Veteranen- und Kriegerverein Vilsbiburg stellte sich zu Anfang des Krieges sofort auf die veränderte Lage ein und wendete den Familien der ins Feld gezogenen Soldaten seine ganze Fürsorge zu. Schon am 14. August 1914 beschloss die Generalversammlung, die Daheimgebliebenen der im Felde stehenden Familienväter mit je 5 Mark monatlich zu unterstützen, sowie den Versand von Feldpostpaketen zu organisieren. Auch die herkömmlichen Weihnachtsfeiern standen nun im Zeichen der Zeit. So wurden Geschenke an die Altveteranen und an die in beiden hiesigen Lazaretten weilenden Verwundeten verteilt. Doch mit der Fortdauer des Krieges wurde die finanzielle Lage des Vereins immer schwieriger.

Die alljährlich stattfindenden traditionellen Stiftungsfeste der Jahre 1915 bis 1918 wurden nur mehr als Gedenkfeiern für die gefallenen und verstorbenen Kameraden mit Kirchgang und Umzug zum Kriegerdenkmal begangen. Ausgerichtet wurden die Totenehrungen vor allem von den Verwundeten beider Lazarette und von den Altveteranen. Vom 2. September 1914 bis zum 19. Dezember 1918 mussten insgesamt 84mal Trauerparaden - wie sie genannt wurden - für 103 Gefallene vollzogen werden.

In der Ausschußsitzung vom 14. Dezember 1918 beschloss man eine Begrüßungsfeier für die aus dem Weltkrieg 1914/18 heimkehrenden Krieger der Pfarrei Vilsbiburg abzuhalten. Anlässlich dieser am 26. und 27. Januar veranstalteten Feier überreichte der Bürgermeister Joseph Brandl jedem eine Urkunde. Dabei wurden aber auch, wie dies das Festprogramm dort vermerkt, der namentlich verzeichneten 116 Gefallenen, 70 Vermissten und der bis dahin 27 noch in belgischer, englischer und französischer Gefangenschaft befindlichen Soldaten gedacht.

Eines der beherrschenden Themen der Ausschußsitzungen des Veteranen- und Kriegervereins nach dem Ersten Weltkrieg war die Errichtung einer neuen Kriegergedächtnisstätte. Sie fand dann 1923in einer Kapelle des linken Seitenschiffs der Pfarrkirche einen würdigen Standort.

1926 wurde vom Vereinsausschuss die Zusammenarbeit mit dem "Frontkriegerbund", vor allem bei öffentlichen Umzügen und bei Trauerparaden anläßlich des Todes von Mitgliedern beider Vereine, beschlossen. Ein Zusammenschluss wurde nicht angestrebt. Laut Protokoll war er schon deshalb nicht möglich, weil der Protektor des Veteranenvereins Se. Kgl. Hoheit Kronprinz Rupprecht von Bayern und der des Frontkriegerbundes General Ludendorff sei. Das Auftreten beider Vereine bei Ortsfestlichkeiten regelte man so: Beide Vereine reihen sich wie folgt aneinander: 1. Die Herren Offiziere in Uniform. 2. Der Trupp der Frontkrieger in Uniform mit Kriegsflagge. 3. Erste Fahne des Veteranen- und Kriegervereins mit den Altveteranen. 4. Zweite Fahne mit den beiden Vereinsvorstandschaften und den Feldzugsteilnehmern von 1914/18 beider Vereine. 5. Dritte Fahne mit gedienten Soldaten.

Ein anderer Verein mit militärischer Tradition wurde in Vilsbiburg 1926 mit der "Zweier-Vereinigung" gegründet, der aus ehemaligen Angehörigen des 2. Infanterie-Regiments "Kronprinz", des bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments Nr.2 und des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr.2 Vilsbiburg und Umgebung bestand. Auch die "Zweier" wurden von den "Veteranen" zu den Stiftungsfesten eingeladen.

Die Festfolge eines Stiftungsfestes, hier das 94., zeichnet Schriftführer Oberlehrer Josef Pausenberger 1928 im Protokollbuch auf. Folgende Festordnung war vorgesehen: "Drei Kränze werden von Babel (Vereinsdiener) bestellt mit 3 Papierschleifen in weiß und blau. Je ein Kranz an beiden Kriegerdenkmälern, ein Kranz am Altar 1914/18 (Denkmal in der Pfarrkirche). 10 Uhr Abmarsch durch den Markt zum 70er Denkmal (an der Bergstraße), Marsch zur Frauensattlingerstraße mit Kranzniederlegung, dann über die Pfarrerbrücke zur Kirche. Gottesdienst und Rückmarsch. Schmuck des alten Kriegerdenkmals durch Babel. 9 Altveteranen werden gefahren, jeder Kutscher erhält 2 Mark. Hier Übergabe der Vereinszeichen für 50- und 25jährige Mitgliedschaft. Anschließend das Mahl. 3 Uhr Konzert im Garten ohne Eintritt. Keine Tagreveille (musikalischer Weckruf). Konzert dauerte bis 8 Uhr abends. Die Musik hat nicht das Recht zu sammeln."

1928 richtete der Veteranen- und Kriegerverein eine Kriegerwallfahrt zur Maria Hilfkirche von Vilsbiburg aus, die vom 28. April bis zum 3. Mai stattfand. Mit etwa 260 Vereinen zogen aus den Diozösen München-Freising, Passau und Regensburg über 5000 ehemalige Krieger und Soldaten auf den "Berg", von denen wiederum 3000 das Vilsbiburger Liebfrauenfestspiel besuchten.

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